Bewertung der Schadstoffe in Trinkwasser für die Herstellung von Babynahrung

 

Kupfer

 

Erste Anzeichen einer Kupfervergiftung sind Müdigkeit und Apathie, die Kinder sind blaß, entwickeln sich zögerlich, die Augen sind gelblich verfärbt.
Bei der Untersuchung stellt der Arzt eine vergrößerte Leber und häufig bereits eine Leberzirrhose fest.
Bei Kindern unter einem Jahr verläuft die Krankheit meist tödlich.


Allerdings hat sich gezeigt, daß die Kupfervergiftungen ausschließlich bei der Nutzung privater Brunnen aufgetreten sind.
Zudem war das Wasser aus diesen Hausbrunnen extrem sauer, (niedriger pH-Wert).


Trotz des Einzelfallcharakters der bislang aufgetretenen Kupfervergiftungen haben letzthin wieder Experten der Universitätskinderklinik München vor der Zubereitung von Säuglingsnahrung mit Trinkwasser aus Kupferleitungen gewarnt: "Schon Schwangere sollten Wasser aus Kupferleitungen nur trinken, wenn es nicht mit dem Metall belastet sei." (...) "Kupfer im Trinkwasser kann akute und - bei längerer Einnahme - chronische Vergiftungen auslösen, die oft nur schwer zu erkennen sind.
Die Symptome akuter Vergiftungen können auch durch viele andere Erkrankungen ausgelöst werden: Typisch sind Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfall. Chronische Vergiftungen verlaufen dagegen häufig ohne merkliche Symptome.
Aus scheinbar völliger Gesundheit heraus kann dann plötzlich die Leber versagen; als Folge dieses Zusammenbruchs kann sogar der Tod eintreten" (dpa/fwt 11/95)

 

Blei


Durch den jahrzehntelangen Einsatz von Bleiverbindungen als Antiklopfmittel in Treibstoffen kam es durch die Verkehrsemissionen zu einer hohen Grundbelastung mit Blei - insbesondere bei Kindern.
Auf diese ohnehin zu hohe Grundbelastung kann sich eine subchronisch wirkende Zusatzbelastung "aufsatteln", wenn die Kinder mit bleihaltigem Trinkwasser versorgt werden.
Die Bleibelastung des Trinkwassers resultiert überwiegend aus Rohrleitungsmaterialien, die aus Blei gefertigt wurden.
Bleileitungen finden sich insbesondere im Altbaubestand, der in der Vorkriegszeit errichtet wurde.
Im Stagnationswasser aus diesen Bleileitungen kann vielfach eine Überschreitung des TVO-Bleigrenzwertes von 25 µg/l nachgewiesen werden.


Die im Entwurf vorliegende Neufassung der EG-Trinkwasser-Richtlinie sieht wegen der gefährlich hohen Bleibelastung diverser Populationsgruppen eine Absenkung auf 10 µg/l vor.
Da der Austausch von Bleileitungen und bleihaltigen Armaturen - bezogen auf den gesamten EU-Raum - aber mehrere Dutzend Milliarden Mark kosten wird, wurde für die Einhaltung des neuen Blei-Limits eine Übergangszeit von zunächst 15 Jahren vorgesehen.

 

Literatur:
- RÖMPP "Chemie-Lexikon", Thieme Verlag 1989
- RÖMPP "Lexikon Umwelt", Thieme Verlag 1993

- "Die Trinkwasserverordnung", Praxisratgeber Altlastensanierung, Fischer/Köchling
- Merian "Metals and Their Compounds in the Environment", VCH-Verlag 1991
- Umweltanalytisches Praktikum, Thieme Verlag 1994